Wir wollen unverwechselbar sein. Wir geben uns Namen, Rollen und Meinungen, mit denen wir zeigen, wer wir sind. Doch je stärker sich das Ich über Abgrenzung definiert, desto weiter entfernt es sich vom gemeinsamen Zusammenhang. Jeder verteidigt seinen Ausschnitt, seine Sicht, seine Geschichte. Das wirkt individuell, folgt aber immer demselben Muster: Hier bin ich, dort sind die anderen. Hier ist meins, dort ist deins. Genau so wird aus Verschiedenheit Trennung sichtbar gemacht . Je weiter diese Abgrenzung geht, desto genauer wird der einzelne Ausschnitt bestimmt. Das Ich grenzt sich immer feiner ab. Die Fragmentierung wird dadurch nicht aufgehoben. Sie geht tiefer. Was nennen wir Bewusstsein, wenn jeder Mensch seinen kleinen Ausschnitt für alles hält? Könnte es sein, dass wir über Bewusstsein reden, obwohl wir nur seine Fragmentierung vor uns haben? Viele Ichs bedeuten nicht viele Bewusstseine Innerhalb der Illusion befinden wir uns tatsächlich in Trennung. Unsere Körper sind voneinand...
Ich stelle mir vor, ich bekomme eine Nachricht: „Wir müssen morgen sprechen.“ Mehr steht da nicht. Sofort beginnt mein Kopf zu arbeiten. Ist etwas passiert? Habe ich etwas übersehen? Geht es um die Arbeit, um etwas Privates oder um etwas völlig anderes? Ich weiß es nicht. Noch gibt es keine Antwort, aber mein Denken will die Lücke sofort schließen. Es spielt Möglichkeiten durch und landet schnell bei dem, was schiefgehen könnte. Wir machen aus etwas Unbekanntem eine Bedrohung, obwohl wir noch gar nicht wissen, was auf uns zukommt. Was wir nicht kennen, können wir nicht abschätzen, nicht mit unseren gespeicherten Erfahrungen vergleichen und nicht scheinbar kontrollieren. Genau dieser empfundene Kontrollverlust ist ein wesentlicher Teil unserer Angst vor dem Unbekannten. Doch diese Angst ist nicht dasselbe wie Todesangst. Zwischen der Angst vor etwas, das wir noch nicht kennen, und dem Moment, in dem ein Mensch weiß, dass er gerade stirbt, liegt ein grundlegender Unterschied. Wenn aus Un...