
Die Angst vor der Angst ist Todesangst. Dieser Satz geht tiefer, als es zuerst wirkt.
Viele Menschen haben Angst vor Verlust, Krankheit oder Schmerz, aber noch mehr vor dem Zustand, in den sie durch Angst selbst geraten. Sie fürchten, die Kontrolle zu verlieren, zusammenzubrechen oder etwas in sich zu spüren, das sie nicht mehr ordnen können. Genau dort beginnt die Angst vor der Angst.
Diese Form von Angst verstärkt sich selbst. Sie braucht keinen klaren Auslöser mehr. Schon die Erinnerung an Enge, Herzrasen oder Druck reicht, und das System schlägt Alarm. Dann hat der Mensch Angst vor etwas im Außen und vor der eigenen Reaktion.
Angst entsteht aus ungeordneter Information.
Das heißt: Im Menschen ist etwas nicht klar eingeordnet, nicht verarbeitet und nicht in Zusammenhang gebracht. Reize, Gedanken, Erinnerungen, Spannungen, ungelöste Erfahrungen sammeln sich im Inneren.
Wird Information nicht geordnet, entsteht Druck. Wird Druck nicht verstanden, entsteht Unsicherheit. Verdichtet sie sich, wird daraus Angst.
Aus dieser ungeordneten Information entstehen Chaos-Strömungen. Angst ist nicht nur „eingebildet“. Sie ist existent, aber viele ihrer Bewegungen werden im Inneren weiter erzeugt und im Kreis geführt. Ein Gedanke löst den nächsten aus. Ein Gefühl wird sofort bewertet. So entsteht Unruhe.
Viele halten diese Strömungen irgendwann für sich selbst. Sie glauben, sie seien ängstlich, schwach, kaputt oder falsch. Tatsächlich zeigt sich nur ein ungeordneter innerer Zustand. Angst ist dann kein Feind, sondern ein Hinweis auf fehlende Information, Verbindung und innere Struktur.
Wer nur gegen Angst kämpft, verstärkt die Bewegung, aus der sie sich speist.
Wichtiger ist zu sehen, wodurch sie sich aufbaut:
- Welche Informationen wirken gleichzeitig?
- Welche Spannungen wurden nie aufgelöst?
- Welche Gedanken wiederholen alte Muster?
Sobald ein Mensch beginnt, diese Zusammenhänge zu erkennen, verändert sich etwas. Die Angst verliert nicht immer sofort ihre Wucht, aber langsam ihren Charakter. Sie ist dann nicht mehr das Monster, sondern eine lesbare Bewegung.
Was lesbar wird, kann geordnet werden.