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Wer spricht, wenn wir „Ich“ sagen?

Eine zerfallende dunkle Gestalt und eine leuchtende menschliche Form stehen sich an einem kosmischen Ereignishorizont gegenüber, während Menschen auf die Öffnung zugehen.

Jeden Tag sagen wir „Ich“. Doch wer ist damit gemeint? Der Name, die Geschichte und die Person, die wir zu sein glauben? Oder wirkt in uns etwas, das dem kleinen Ich noch verborgen ist?

Das kleine Ich kennt sich über Erinnerungen, Rollen, Wünsche, Ängste und feste Selbstbilder. Aus solchen Zuschreibungen entsteht Identität.

Identität gehört zur Person, zur Persona, zur Maske. Sie macht uns in dieser Realität erkennbar. Sie ist aber nicht das, was in uns wirkt.

Das kleine Ich befindet sich innerhalb der Trennung

Das kleine Ich bringt keine Ordnung hervor. Es erscheint in einer sterblichen Realität, die bereits durch Trennung, Begrenzung und Gegensätze geprägt ist. Aus dieser Perspektive sortiert es, was es vorfindet: innen und außen, ich und die anderen, Gewinn und Verlust.

Es hält fest, was zu seinem Selbstbild passt, weil es nur innerhalb der vorhandenen Grenzen wahrnehmen kann.

Das kleine Ich kennt die Maske, aber nicht den verborgenen Antrieb. Es sieht die Person, aber nicht das wirkende Selbst.

Das große Ich ist kein größeres Ego

Mit dem großen Ich ist keine mächtigere Version des kleinen Ichs gemeint. Das große Ich bezeichnet das wirkende Selbst.

In ihm liegt das Wissen, das dem kleinen Ich noch nicht zugänglich ist. Es steht nicht außerhalb von uns und wird uns nicht später hinzugefügt. Es ist in uns angelegt, bleibt aber verdeckt, solange das kleine Ich seine Selbstbilder für das hält, was wir sind.

Das kleine Ich weiß zunächst nicht. Es trägt jedoch die Be-Gabung des Wissens in sich. Gemeint ist kein Wissen aus Büchern, sondern der verborgene Zugang zu dem, was das große Ich bereits weiß und ist. 💚

Be-Gabung erfüllt sich im Loslassen

Im Wort Begabung liegt mehr als Talent. Eine Gabe erfüllt sich im Geben. Doch wirkliches Geben wird erst dort vollständig, wo das Festhalten endet.

Solange wir geben, um gut, stark, gebraucht oder überlegen zu erscheinen, bestätigt das kleine Ich weiterhin seine Maske. Der verborgene Antrieb des Egos bleibt bestehen.

Loslassen bedeutet nicht Gleichgültigkeit. Es bedeutet, jene festen Bilder abzulegen, die wir mit unserem Selbst verwechseln. Dann wird sichtbar, was unser Handeln bisher bestimmt hat.

Eine menschliche Gestalt steht im warmen Licht, während dunkle, mantelartige Schichten von ihr abfallen und zurückbleiben.

Wer loslässt, was er zu wollen meint, erhält Zugang zu dem, was in ihm tatsächlich wirkt. Doch was erscheint, wenn die Maske ihren Halt verliert? Zunächst keine Antwort, sondern Schwärze.

An der Grenze erscheint die Schwärze

Die Pupille wirkt wie ein schwarzer Punkt. Doch gerade durch diese dunkle Öffnung gelangt Licht ins Auge. Durch die Schwärze sehen wir Farben, Formen, Tiefe und Bewegung. Was wie Leere aussieht, macht das Sehen erst möglich.

Wir sehen die äußere Welt durch eine Öffnung, in deren Inneres wir selbst nicht blicken können. Die Schwärze ist nicht das Ende des Sehens, sondern seine Voraussetzung.

Diese Grenze begegnet uns auch im größten Bild, das wir für das Verborgene kennen: im Schwarzen Loch.

Der Ereignishorizont der Menschheit

Der Punkt, ab dem unser bisheriger Blick nicht weiterreicht, wird Ereignishorizont genannt.

Hier beschreibt dieser Begriff nicht nur eine persönliche Grenze. Er steht für den Punkt, an dem sich die Menschheit in ihrer gegenwärtigen sterblichen Form befindet. Alles scheint sich dort zu verdichten. Farben, Formen und Erfahrungen treten noch einmal mit äußerster Helligkeit hervor, unmittelbar vor einer Grenze, hinter die das kleine Ich nicht blicken kann.

Viele Menschen stehen auf einer spiegelnden Ebene vor einem gewaltigen goldenen Ereignishorizont mit tiefschwarzem Zentrum.

Doch die Grenze unseres Sehens ist nicht die Grenze dessen, was vorhanden ist. Die Schwärze ist kein leerer Abschluss und nichts Negatives. Sie erscheint schwarz, weil die absolute Wirklichkeit unserer gegenwärtigen Wahrnehmung noch verborgen bleibt.

Was wie ein Hineingezogenwerden wirkt, kann als umgekehrte Geburt verstanden werden: als das Heraustreten aus dem Geburtskanal der sterblichen Realität in die absolute Ordnung.

Die Schwärze ist nicht das Nichts. Sie ist der Übergang.

Der Übergang geschieht körperlich

Wenn diese Grenze überschritten wird, geschieht nicht nur eine neue Einsicht. Der Mensch war vorher nicht bereits ganz und musste es nur erkennen. Die Möglichkeit der Ganzwerdung ist angelegt, aber noch nicht vollständig verkörpert.

Die Trennung reicht bis in die körperliche Form. Männlich und weiblich bestehen in dieser Realität getrennt voneinander. Diese Teilung ist mehr als ein Unterschied zwischen zwei Geschlechtern. Aus ihr geht neues sterbliches Dasein hervor. Deshalb kann Ganzwerdung nicht allein im Denken stattfinden.

Die sterbliche und getrennte Form endet. An ihre Stelle tritt eine ungeteilte körperliche Ordnung. Diesen grundlegenden Wechsel wird als Quantensprung bezeichnet.

Er vollzieht sich durch die männlich-weibliche Verschmelzung. In ihr endet die Trennung körperlich. Kleines und großes Ich stehen dann nicht länger getrennt nebeneinander. Was bisher verborgen war, kann vollständig hervortreten. 🌱

Wenn Realität ihre Gültigkeit verliert

Realität nennen wir das, was innerhalb von Zeit, Trennung, Geburt und Tod erfahren wird. Sie ist für unsere Wahrnehmung vorhanden, aber nicht ewig und nicht absolut.

Wirklichkeit bezeichnet die ungeteilte Ordnung, die nicht entsteht und nicht vergeht. Sie ist der ewige Moment, in dem die absolute Liebe vollständig gegenwärtig ist.

Namen, Rollen, Erinnerungen und Selbstbilder bleiben erinnerbar. Doch in der Wirklichkeit verlieren sie ihre bestimmende Gültigkeit. Die Erinnerung an das kleine Ich wird weit entfernt wirken, wie ein winziger Rest aus einem Zustand, der nie absolute Wirklichkeit war.

Wer also spricht, wenn wir „Ich“ sagen?

In dieser Realität spricht zunächst das kleine Ich. Es nennt seinen Namen, erzählt seine Geschichte und hält seine Selbstbilder für das, was wir sind. Doch was in uns wirkt, reicht weiter als diese Maske.

Das große Ich fehlte nie. Es blieb dem kleinen Ich verborgen, weil dieses nur bis zu seiner eigenen Grenze sehen konnte.

Durch die männlich-weibliche Verschmelzung endet die Trennung in der körperlichen Form. Wir erhalten keine neue Identität. Die Person wird nicht vollkommener und die Maske nicht schöner. Beide verlieren ihre bestimmende Gültigkeit.

Ewige Erde bezeichnet eine Erde, auf der dieser Übergang vollständig verkörpert ist. Die sterbliche relative Realität ist dann nicht verbessert worden. Ihre Grundlage ist beendet.

Wir waren nie nur das kleine Ich.

Doch wir waren auch noch nicht ganz.

Die Schwärze war nie das Nichts.

Sie war die Öffnung.

Das kleine Ich hielt sie für das Ende, weil es nur bis zu ihr sehen konnte.

Doch genau durch diese Öffnung tritt die Wirklichkeit hervor.

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