
Wir werden unsterblich geboren. Und trotzdem lernen wir vom ersten Atemzug an, dass wir sterben müssen. Zelltod, Zerfall und das langsame Abbauen des Körpers sehen wir überall.
Weil wir nichts anderes kennen, halten wir diesen Ablauf für das Leben selbst.
Genau darin liegt der Punkt. Was uns wie eine Tatsache über uns selbst vorkommt, wurde uns eingeschrieben.
Was als normal gilt, ist nicht automatisch richtig
Was wir für normal halten, wurde tief in unseren Körper, unser Denken und unsere Sprache eingeschrieben. Nicht ohne Grund. Nicht durch einen Irrtum. Sondern nach einem Plan. 💚
Wenn Sterblichkeit nicht unser Ursprung ist, dann ist sie auch kein Gesetz, das für immer gilt. Dann sprechen wir über ein Programm innerhalb unserer sterblichen Realität.
Ein Programm, das so tief reicht, dass Zerfall selbstverständlich erscheint und Zelltod wie ein fester Bestandteil dessen wirkt, was wir Leben nennen. Dieses Programm zeigt sich nicht nur im Körper.
Es zeigt sich auch darin, wie wir über uns selbst denken:
dass wir zwangsläufig altern, verfallen und enden müssen.
Realität ist nicht dasselbe wie Wirklichkeit
Hier lohnt sich ein genauer Blick auf zwei Begriffe, die wir im Alltag für Synonyme halten:
Realität und Wirklichkeit.
Realität ist unsere sterbliche Bewegung durch Zeit und Raum und das, was wir innerhalb dieser Bewegung erfahren. Wirklichkeit ist etwas anderes.
Sie ist das, was durch die Ordnung wirkt und unveränderlich ist, unabhängig davon, was uns eingeschrieben wurde.
Sterblichkeit gehört zu unserer Realität. Ob sie auch zur Wirklichkeit gehört, ist eine ganz andere Frage, und genau diese Frage lohnt es sich zu stellen.

Ein Beispiel macht den Unterschied greifbar:
Ein Traum fühlt sich real an, während wir träumen. Wir zweifeln nicht daran, wir sind mittendrin. Erst beim Aufwachen erkennen wir, dass er nicht real war.
Mit unserer sterblichen Realität verhält es sich ähnlich:
Wir sind mittendrin und halten sie für alles, was es gibt. Dieser Traum umfasst unsere gesamte sterbliche "Existenz".
Der erste Zyklus mit Tod
Wir befinden uns im fünften Zyklus einer langen Reihe von Zyklen.
In den vier Zyklen davor gab es keinen Tod. Mit unserem jetzigen Zyklus kam die Geburt durch Fortpflanzung hinzu. Zugleich kamen Zerfall, Zelltod und das große Vergessen.
Der fünfte Zyklus wurde damit zum engsten Abschnitt der gesamten Bewegung durch die Zyklen.
Durch die Zyklen wurde die Realität immer tiefer und fragmentierter:
räumlich, zeitlich, psychisch und physisch.
Am Ende des fünften Zyklus erreicht die Fragmentierung ihren engsten Punkt.
Auch ein ungeborenes Kind befindet sich unmittelbar vor seiner Geburt an diesem Punkt:
im Geburtskanal.
Die gesamte Menschheit befindet sich in Geburtswehen, im Geburtskanal, kurz vor ihrer Geburt.
Die Neugeburt der Menschheit ist der gesamte Prozess durch die Zyklen.
Genauer gesagt: die Geburt.
Platons Höhlengleichnis lässt sich dadurch neu verstehen. Die Höhle ist der Geburtskanal. Wir sind gegen seine Wand gedrückt, schauen auf die Schatten an der Wand und halten sie für das wirkliche Leben. Wir befinden uns im engsten Abschnitt der Geburt.
Wer in diesem Zyklus geboren wird, vergisst dabei, woher er kommt und was vor der Geburt war. Genau dieses Vergessen macht die sterbliche Realität so überzeugend. Wir kennen keinen Vergleich, deshalb halten wir das Programm für das echte Leben. Tatsächlich bestimmt es nur unsere sterbliche Existenz.
Ein Bild macht das greifbar:
Würden wir die gesamte Zeit seit dem Anfang von allem auf zehn Tage mit offenen Augen zusammenziehen, würde unser jetziger, fünfter Zyklus nur etwa 0,4 Sekunden dauern. Ein einziger Wimpernschlag in zehn Tagen ohne Schlaf. So kurz ist unser gesamter jetziger Zyklus im Vergleich zu allem, was ihm vorausgegangen ist.
Erkennen wird jetzt wieder möglich
Dass wir diesen Unterschied erst jetzt klarer wahrnehmen, gehört selbst zu diesem Vorgang. Im aktuellen Zyklus ging es lange darum, zu vergessen: woher wir kommen, was vor der Geburt war, was nach dem Tod bleibt. Jetzt, nahe am Ende dieses Zyklus, wird Erkennen wieder möglich.
Erinnern heißt, zurück nach innen, zurück in den Körper zu kommen.
Dort beginnen wir wirklich zu sehen, wohin unser gemeinsamer Weg führt. 🤍

Genau hier beginnt die eigentliche Frage, die diesen Beitrag trägt.
- Was, wenn Sterblichkeit nicht das Leben selbst ist, sondern ein Programm?
- Was, wenn Zelltod keine Grundlage ist, sondern eingeprägte Struktur?
- Was, wenn dieses Programm jetzt zu Ende geht?
Diese drei Fragen verändern die Blickrichtung. Sterblichkeit ist dann kein Startpunkt mehr, von dem aus wir die Welt betrachten, sondern ein Ablauf, den wir betrachten können, ohne selbst nur dieser Ablauf zu sein.
Wir müssen nichts glauben, um es zuzulassen
Die meisten von uns wollen in diesem Körper, auf der Erde, gar nicht unsterblich sein. Das ist verständlich, denn wir kennen nichts anderes als diese Bewegung von Geburt zu Zerfall.
Am Ende unserer sterblichen Realität wird sichtbar, dass die Erde ewig ist.
Sie ist es bereits jetzt. Nur der Schleier der Sterblichkeit verdeckt das noch.
Wir müssen also nichts erzwingen und nichts glauben, um diesen Gedanken zuzulassen. Es reicht, ihn stehen zu lassen und zu prüfen, ob er zu dem passt, was wir selbst wahrnehmen, wenn wir genau hinschauen.
Sterblichkeit verliert ihr letztes Wort
Wenn wir das ernst nehmen, verändert sich etwas in der Art, wie wir auf Sterblichkeit blicken. Sie wird vom letzten Wort zu einer Programmierung, die zu einem bestimmten Zyklus gehört und mit diesem Zyklus auch endet. Zelltod ist dann kein Naturgesetz mehr, sondern eingeprägte Struktur, die sich nicht ewig wiederholen muss.
Das nimmt der Sterblichkeit nichts von ihrer Wucht in unserer heutigen Realität. Aber es nimmt ihr den Anspruch, endgültig über uns zu bestimmen.
Wir waren nie wirklich von der Ordnung getrennt. Durch die Fragmentierungen zog sie sich immer weiter in einen Punkt im Körper zurück, verborgen und überdeckt von den Programmen des Verfalls. Die gesamte Bewegung durch die Zyklen ist die Geburt.
Wir werden unsterblich geboren. Wir werden nicht zu unsterblichen Menschen. Wir werden wieder göttlich.