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Was wir an Babys bewundern und selbst überlagern

Baby im warmen goldenen Licht vor dunklem Hintergrund mit dem Schriftzug „Was wir für Leere halten“.

Ein Baby muss nichts leisten, um uns zu berühren. Es hat keine klugen Antworten, keinen Erfolg vorzuweisen und keine Geschichte zu erzählen. Trotzdem erreicht es uns. Was ist da, bevor all das hinzukommt?

Wir nennen es süß. Doch seine kleine Gestalt erklärt nicht alles. Uns begegnet eine Offenheit, die beim erwachsenen Menschen unter Gedanken, Erwartungen und eingeübten Reaktionen kaum noch unverdeckt durchkommt.

Gleichzeitig reden wir über das Baby, als wäre sein Kopf leer. Es müsse erst gefüllt werden mit dem, was wir bereits kennen. Dabei fehlt ihm vor allem vieles von dem Chaos, das unseren eigenen Kopf besetzt hält.

Weniger Chaos bedeutet mehr Ordnung. Trotzdem halten wir unseren Zustand für den fortgeschritteneren. Das Baby kann noch keine Antwort aussprechen. Aber was in ihm unmittelbarer da ist, haben wir unter unseren Antworten längst begraben.

Ein voller Kopf ist keine Ordnung

Ein Erwachsener hört einen Satz und weiß bereits, was der andere angeblich meint. Ein Blick genügt, und eine alte Kränkung ist wieder da. Die Begegnung hat gerade erst begonnen, doch im Kopf läuft schon eine Geschichte aus früheren Erfahrungen.

Das Baby bringt diese jahrelange Ansammlung noch nicht mit. Seine Wahrnehmung ist weniger durch Vorstellungen darüber festgelegt, wer es ist, wie andere sind und was als Nächstes passieren wird. Diese Offenheit ist kein leerer Platz, den Erwachsene möglichst schnell besetzen müssten.

Auch ein schreiendes Baby trägt noch weniger solcher Muster in sich. Es zeigt Hunger, Unbehagen oder sein Bedürfnis nach Nähe. Dass sein Schreien Erwachsene stört, bedeutet nicht, dass im Baby dieselben festgefahrenen Muster wirken wie in ihnen.

Beim Erwachsenen greifen Gedanken, Erwartungen und Prägungen immer stärker ineinander. Der Kopf wird voller, aber Fülle ist nicht dasselbe wie Ordnung.

Wie wir die Ordnung des Kindes überlagern

Ein Baby ist auf Erwachsene angewiesen. Es hört, ob sie ruhig sprechen oder schreien. Es spürt, wie es gehalten wird und ob jemand auf sein Weinen reagiert. Dafür braucht es keine Erklärung in Worten.

Später kommen die Erklärungen hinzu: So ist die Welt. So sind die Menschen. Daran musst du dich gewöhnen. Das Kind lernt dabei nicht nur Wörter und Regeln. Es übernimmt auch Ängste, Erwartungen und Urteile, die Erwachsene selbst längst für selbstverständlich halten.

Baby von hinten im warmen Licht, umgeben von dunkleren menschlichen und gedanklichen Überlagerungen.

Aus „Ich wurde enttäuscht“ wird „Menschen kann man nicht vertrauen“. Aus einer eigenen Angst wird eine Warnung vor allem Unbekannten. So werden Chaos-Programme weitergetragen: als eingeprägte Muster, die bestimmen, wie neue Erfahrungen eingeordnet werden, noch bevor ihr Zusammenhang verstanden wurde.

Eltern können sich zuwenden, versorgen, trösten und beschützen. Doch auch dabei wirken ihre eigenen Prägungen mit. Fürsorge allein löst diese nicht auf.

Was wir Liebe nennen, ist noch nicht die absolute Liebe

Hier braucht das Wort Liebe Genauigkeit. Was wir als Menschen Liebe nennen, enthält Zuneigung, Bindung und Fürsorge, aber auch Angst vor Verlust, Erwartungen und den Wunsch nach Bestätigung. Wir kennen solche Erfahrungen. Die absolute Liebe kennen wir damit noch nicht vollständig.

Auf Ziel der Menschheit bezeichnet absolute Liebe die Quelle selbst. Sie wird nicht auf die Bindung zwischen einzelnen Menschen begrenzt. Ihre vollständige Verkörperung gehört zur Neugeburt der Menschheit. Eltern geben ihrem Kind deshalb nicht bereits jene vollendete Liebe, die mit dem Ende der Trennung gemeint ist.

Der Funke der Liebe ist dennoch da. Beim Baby ist er noch weniger durch feste Vorstellungen verdeckt. Darin liegt seine besondere Nähe zur Quelle: Es hat die Liebe nicht erst erworben. Es muss sie nicht verdienen und keine bestimmte Person darstellen, um uns zu berühren. 💚

Baby-Demut: Offenheit ohne Selbstbild

Ein Baby versucht nicht, bescheiden zu wirken. Es nimmt Zuwendung an und zeigt, wenn ihm etwas fehlt. Es verteidigt dabei noch kein Bild von Stärke oder Unabhängigkeit. Diese Offenheit ist mit Baby-Demut gemeint.

Später wird selbst das Annehmen schwierig. Du brauchst Unterstützung, möchtest aber nicht schwach erscheinen. Du bist unsicher, willst jedoch recht behalten. Zwischen einem Bedürfnis und deiner Antwort stehen Vorstellungen darüber, wie du sein solltest. Genau diese zusätzliche Verwicklung fehlt beim Baby noch weitgehend.

Das Ich und seine festen Selbstbilder bestimmen zunehmend unsere Reaktionen. Das Ich ist Ego. Es hält an seinen Zuschreibungen fest, selbst wenn sie schmerzen. Die Sehnsucht unter dieser Enge reicht jedoch weiter als bis zur nächsten Bestätigung: Sie richtet sich auf Verbindung, die keine Trennung mehr enthält.

Bevor männlich und weiblich zu Gegensätzen werden

Körperlich ist beim Baby etwas angelegt. Psychisch sind männlich und weiblich noch nicht so gegeneinander gestellt wie im späteren Denken. Männlich und weiblich zugleich bezeichnet hier die innere Offenheit, bevor feste Zuordnungen bestimmen, was zu einem Menschen gehören darf und was ausgeschlossen wird.

Der erwachsene Blick beginnt früh mit dem Zuteilen: So soll ein Junge sein, so ein Mädchen. Diese Trennung setzt sich in weiteren Gegensätzen fort. Ich und die anderen. Innen und außen. Oben und unten. Richtig und falsch. Das Kind lernt nicht nur zu unterscheiden, sondern sich auf einer Seite festzulegen.

Gemeint ist nicht die Leugnung körperlicher Unterschiede. Gemeint ist der Kopf, der aus Unterschieden starre Gegensätze macht und festlegt, was zu wem gehören soll.

Wie der Tod zur vermeintlichen Gewissheit wird

Erwachsene glauben an den Tod als ihr unausweichliches Ende. Sie haben andere sterben sehen, Abschiede erfahren und Verluste erlebt. Daraus wird eine vermeintliche Gewissheit über sich selbst: Auch meine Geschichte wird so enden. Der Gedanke wird übernommen, bis er keiner Begründung mehr zu bedürfen scheint.

Im Baby ist der Tod noch kein Ziel. Das eigene Ende hat dort noch keinen festen Platz im Denken. Das Baby ist körperlich verletzlich, aber es trägt sein Ende noch nicht als Erwartung in sich.

Sterblichkeit wird damit nicht nur erfahren. Sie wird zu einer inneren Ausrichtung.

Genau hier berührt der Gedanke die Frage nach der letzten sterblichen Generation. Wenn die Gewissheit des Todes nicht am Anfang unseres Denkens steht, sondern übernommen wird, darf zumindest gefragt werden, warum wir sie für die endgültige Aussage über den Menschen halten.

Warum die Verwicklung zum Plan gehört

Der größere Zusammenhang, wie ihn Ziel der Menschheit beschreibt, betrachtet die Trennung als begrenzten Abschnitt einer gemeinsamen Geburt. Der Weg führt durch die Verwicklung hindurch zu ihrer Auflösung. Das Chaos ist Teil dieses Weges, nicht dessen endgültiges Ergebnis.

In diesem Verständnis haben wir alles erschaffen, auch den Tod durch unsere gemeinsame Chaos-Psyche. Die Matrix bezeichnet die Realität aus Trennung, Zeit und Vergänglichkeit. Gemeint ist keine persönliche Entscheidung eines Kranken oder Sterbenden, sondern der gemeinsame Zustand, in dem wir uns befinden.

Zwei Menschen gehen Hand in Hand durch dunkle Verwicklung auf ein helles goldenes Licht zu.

Neugeburt meint deshalb nicht die Rückkehr zum Babyalter. Sie bezeichnet die gemeinsame Aufrichtung und die männlich-weibliche Verschmelzung, psychisch und körperlich. Das Baby steht am Anfang der Verwicklung. Die vollendete Ordnung liegt nicht hinter uns, sondern im Ende der Trennung.


Die Ordnung unter den Überlagerungen bleibt

Die Quelle ist auch im Erwachsenen vorhanden. Gedanken, Programme und starre Reaktionen haben sie verdeckt. Die Ordnung unter den Überlagerungen ist damit nicht verschwunden. 

Die Erinnerung an unser Babyalter lässt sich nicht einfach zurückholen. Dennoch können wir diese Nähe vermissen, ohne zu erkennen, wonach wir uns sehnen. Ein Baby berührt dann etwas in uns, das wir nicht mehr benennen können.

Wir schauen auf ein Baby und überlegen, was wir ihm alles beibringen müssen. Dabei zeigt es uns bereits etwas über unseren eigenen Zustand. Was wir an ihm bewundern, haben wir ihm nicht gegeben. Und was wir selbst verdeckt haben, wird durch noch mehr Erklärungen allein nicht wieder sichtbar.

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